Das Leben als Model bei Abercrombie & Fitch – Teil 1

Model bei Abercrombie & Fitch

vorweg: meine Erfahrungen beziehen sich auf einen einzigen Store, ob Folgendes auch auf andere Stores zutrifft, kann ich nicht bestätigen.

In diesem Blog-Post will Ich Euch ein Wenig über meine guten und schlechten Erfahrungen beim Mode-Label Abercrombie & Fitch erzählen, die ich in einem Jahr dort sammeln konnte. Meine Karriere als Model bei Abercrombie & Fitch startete im Juni 2014 und endete – ein Jahr später – im Juni 2015.

Am Anfang war alles besser!

 

Kapitel I – Meet & Greet

Man muss dazu sagen, dass 2014 das Abercrombie & Fitch Team für ein Store-Opening rekrutiert wurde, es gab also noch kein bestehendes Team, für das neue10537946_1438676386410658_241210739_n Mit-Arbeiter hinzu-rekrutiert wurden, sondern das Team wurde komplett neu aufgebaut.

Vor dem Opening gab es in einer gemieteten Location eine „Meet & Greet“ Feier – alle neuen Mitarbeiter wurden hierzu eingeladen und man lernte sich bei einer Cola Light und einem kalten Buffet näher kennen. Neben diversen Einzelfotos wurde am Schluss noch ein Gruppen-Foto von allen Neulingen gemacht.

Die Atomsphäre war übertrieben freundlich und familiär.

 

 

 

Kapitel II – Wir räumen den Store ein

Die ersten 4 Wochen vor dem offiziellen Opening verbrachten wir damit, Regalbretter rum zutragen, Regalbretter an die Wand zu bringen & Kisten auszuräumen. Etwas ungewohnt, dass man als „Model“ angestellt wird und sich dann als „IKEA“-Mitarbeiter fühlt – dazu aber später mehr. Der Store wurde also von den neuen Mitarbeitern und einem sogenannten „New Opening“-Team aufgebaut. Das „New Opening“-Team waren 4-5 junge Leute, die extra aus den USA eingeflogen wurden und den eigentlich Store-Manager, bei der Eröffnung, unterstützen sollten.

Nach dem Motto: „Was gut geplant ist, kann nicht schiefgehen.“ – Wurde nicht nur die Einrichtung des Stores von der Zentrale aus vorgeplant, sondern auch die Ausrichtung jedes einzelnen Scheinwerfers, die Winkel der Puppen und wie hoch welcher Kleider-Stapel auf welchem Tisch zu sein hat. Nein, nicht nur die Höhe war wichtig, sondern auch die Farbe.

Es gibt einen kleinen Katalog, in denen jeder Mitarbeiter nachlesen kann, in welchem Schrank oder Regal die Farbreihenfolge ist. Für jeden Tisch gibt es also eine absolut fixierte Reihenfolge von Farben, die eingehalten werden muss, dementsprechend hat an Schrank XY der Scheinwerfer YZ in genau dieser Ausrichtung zu hängen. Penibel ist dokumentiert, an welcher Stelle des Regales der Lichtkegel welche Größe haben darf.

Aber Okay, die Amis haben da halt so ihre Ordnung …

 

Kapitel III – Du Model

14 Tage vor dem Store-Opening kam der erste Moment, bei dem ich dann doch schon etwas schlucken musste. Wir standen mit dem kompletten Team auf der Verkaufsfläche zum Meeting, da wurde dann kurz & schmerzlos in zwei Gruppen geteilt: Lager (IMPACT) oder Model 

Person für Person wurde mit Handzeichen bestimmt, wer fürs Lager bestimmt war und wer sich Model nennen durfte. Nach der der Zuweisung musste man sich dann entweder auf die rechte oder linke Seite des Raumes stellen.

Kapitel IV – die Verträge

Die Verträge waren sauber und fair. Der Verdienst an der Tür war übertrieben hoch, der Verdienst der anderen Mitarbeiter war gerade mal der Mindeslohn. Die Vertragslaufzeit des ersten Vertrages war 1 Monat. Wenn du gute Arbeit geleistet hattest, bekamst du danach einen 3 Monats oder sogar 6 Monats-Vertrag, aber die Regel war, dass die meisten erst mal nur einen weiteren 1 Monats-Vertrag bekamen, damit sich die Zentral freihalten konnte, Mitarbeiter ohne Probleme – kurzzeitig – zu kündigen.

 

Der erste große Rückschlag

Der erste bittere Biss kam schon eine Woche vor dem Opening. Die sogenannte „Look-Policy“ wird eingeführt. Was das genau heißt ? Es gibt ein Buch, in dem drin steht welche Frisuren erlaubt sind, welche Schuhmarken erlaubt sind, wie man sein Hemd zu krempeln hat, wie die Hose zu sitzen hat.

Makeup und Nagellack waren verboten. Piercings und Schmuck war sowieso nicht erlaubt.

Abercrombie & Fitch schreibt selbst in den Verträgen, dass kein Mitarbeiter gezwungen wird die Kleidung von A&F während der Arbeit zu tragen, aber einem wird natürlich nahegelegt, dass man dies tun soll/muss. Man wollte natürlich am Monatsende einen neuen Vertrag bekommen.

Man musste sich also komplett in den Klamotten von Abercrombie & Fitch einkleiden. Hosen, Hemden, T-Shirts – wer zahlt das ? Der Mitarbeiter zahlt das.

Weil mein Store sich in einem Outletcenter befindet, war es A&F leider nicht möglich, seinen Mitarbeitern nur 10% auf diesen Outlet-Preis zu geben. Wir mussten als zum vollen Preis 1-2 Garderoben kaufen. Bei vielen ging dabei nicht nur das erste Monatsgehalt drauf.

Das Opening

Zum Opening selbst gibt es nicht viel zu sagen. Die großen Chefs kamen alle zu besuch, der Laden musste natürlich blitzen wie was. Beim Falten der Klamotten wurde in Millimetern kontrolliert, ob Abstände stimmten und ob alles wie geleckt aussieht.

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Opening vorbei – der Alltag kehrte ein

Nach dem Opening wurde alles lockerer. Kaum waren die großen Chefs wieder ausgeflogen, wurden die ganzen Richtlinien nicht mehr so 100% ernst genommen. Aufgeräumt wurde nur noch, wenn sich einer der Großen ankündigte, das taten sie zum Glück immer sehr frühzeitig.

Ab & zu musste man sich dann mal im Büro noch eins der schönen Brain-Wash-Videos ansehen, bei dem man versichert bekommt, dass es ganz wichtig ist, dass man seine Kollegen verpfeift, wenn sie Etwas falschen machen. Dazu lief immer sehr entspannte Hintergrundmusik und teilweise erwischte man sich selbst, dass man dieses „Wer are one big family“-Gedöhns glaubte und lebte.

Charity .. oder sowas

Abercrombie & Fitch hielt es für ganz wichtig, dass regelmäßig für den guten Zweck gespendet wurde oder Sport-Aktionen gestartet wurden. Hier gibt es auch 1 Mal im Jahr das A&F Charity Kickball Turnier in Düsseldorf. Dazu kann ich jetzt aber nicht so viel sagen, weil 2/3 unseres Team zum Turnierstart noch in Clubs unter den Tischen lag : D

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Der Kunde bekommt mehr Rabatt als der Mitarbeiter

Klingt logisch. Der Store hat seit 6 Monaten auf und immer noch müssen Mitarbeiter den vollen Outlepreis für ihre Arbeitskleidung zahlen. An Rabatt-Tagen, an denen es 20% für alle Kunden gab, wurde den Mitarbeitern ausdrücklich mitgeteilt, dass dieser Rabatt ausschließlich für Kunden ist. Mitarbeitern wurde also ein Rabatt verweigert, der jedem Kunden gewehrt wurde.

Auch nach der Schicht war es Mitarbeitern verboten diesen Rabatt in Anspruch zu nehmen!

Darauf hin sprachen Mitarbeiter in ihrem eigenen Store Kunden an, ob diese die Ware für sie an der Kasse bezahlen könnten, wenn Sie ihnen das Geld geben würden.

Das war meiner Meinung nach die Zeit, in der die Stimmung des kompletten Mitarbeiter-Teams kippte. Keiner konnte nachvollziehen, warum vom Mitarbeiter gefordert wird, dass er ständig die neusten A&F Klamotten trägt, aber mehr als der Kunde selbst zahlen muss.

Eine für mich – bis Heute – noch unverständliche Firmenpolitik.

Its all about Customer-Service & Abmahnungen

Der Kundenservice sollte jeder der Hauptfokus sein.

  1. Begrüße jeden Kunden
  2. Verabschiede jeden Kunden
  3. Versuche jedem Kunden zu helfen

Dass die Mitarbeiter guten Kundenservice leisten und die Verkaufszahlen pushen, wurde von den Managern immer penibel überprüft. Die komplette Verkaufsfläche war so aufgebaut, dass die Spiegel im im Raum es ermöglichten, von der Kasse fast jeden Winkel im Laden zu sehen. Wenn kein Kunde in der Nähe war, den man beraten konnte, wurde erwartet, dass man sofort anfängt Tische in der Umgebung aufzuräumen.

Verkaufszahlen waren immer sehr wichtig, Provision für die Verkäufer gab es aber keine. Wie man es von großen Mode-Ketten von H&M oder P&C gewohnt ist, erhalten Verkäufer für den Verkauf eines Artikels eine prozentuale Beteiligung am Umsatz.

So Etwas gab es bei Abercrombie & Fitch nicht.

Um trotzdem die Motivation für die Arbeit aufrecht zu erhalten, gab es sogenannte positiv und negativ Notes.

Quasi Belobigungen und Abmahnungen.

Gründe für negativ Notes waren zum Beispiel:

Reden mit Kollegen auf der Verkaufsfläche

  • Gruppenbildung auf der Verkaufsfläche
  • demotiviertes auftreten
  • schlechte Arbeit
  • schlechter Kundenservice
  • Arbeit zu langsam ausgeführt

Gründe für positiv Notes kann ich euch leider kaum nennen, weil kaum einer diese positiven Bewertungen zu Gesicht bekam. Negative Bewertungen gab es dann doch mal teilweise mehrer pro Monat.

Das Ende der Geschichte war eigentlich, dass jeder 200% Arbeit leistet, wenn ein Manager in der Nähe war & alle die Arbeit komplett einstellen, wenn dieser wieder die Verkaufsfläche verlassen hatte.

 

Als Schlusswort zum ersten Teil würde ich gerne noch sagen, dass ich die vielen Monate ein wirklich tolles Team hatte, auch wenn viele nach einigen Wochen wieder gingen bzw. gegangen wurden. Auch dem Manager-Team kann man keine großen Vorwürfe machen, auch diese waren -von Oben – an die teils – sehr stupiden – Richtlinien gebunden – versuchten aber trotzdem dem Team eine angenehme Arbeitszeit und allgemein sehr schöne Zeit zu ermöglichen.

Trotz der vielen negative Aspekte hatte die Zeit auch sehr viele schöne Seiten, die ich nicht missen möchte. Es lief nicht alles, wie es hätte laufen können – was aber zu 98% an Entscheidungen liegt, die in der A&F Zentrale getroffen wurden und nicht bei uns im Store.

to be continued

 

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